Die Augen werden schwer. Es wird dunkel. Wieder hell. Wieder dunkel. Ich wollte den Film eigentlich noch zu Ende schauen. Ist ziemlich spannend. Wie spät ist es? Kurz nach elf. Na gut, mach dir noch eins auf und schau den Film zu Ende. Dann aber ab ins Bett. Mist. Tasche ist auch noch nicht gepackt. Morgen geht’s wieder für ne Woche (oder auch länger, abhängig von der Gnade des Herrn…* [Name von der Redaktion gelöscht]…) nach China….
Egal. Wenn du nach einem kompletten Arbeitstag plus 10 Stunden Flug ohne Schlaf am nächsten Tag mittags aus dem Flieger kriechst und noch den ganzen Tag vor dir hast, bist du eh so was von im Arsch… Da kommt’s jetzt auf ne Kanne mehr und ne Stunde Schlaf weniger auch nicht mehr an. Na gut, musst halt auch noch ne Stunde früher aufstehen wegen Tasche packen, Rasieren, Blumen unter Wasser setzen, Aufwaschen und Müll raus bringen bevor er selber Füße kriegt…
06:30 Uhr. Wecker. Dusche. 1, 2, 3.
08:00 Uhr. Büro. Küche. Kaffee. Das Idealbild des deutschen Biertrinkers: Er hat seine Sucht im Griff und erscheint pünktlich zur Arbeit!
So, jetzt gut konzentrieren und nix vergessen. Um vier kommt der Chauffeur und bringt dich zum Flughafen nach Frankfurt.
Ein Ersatzteil welches mit will, ist noch nicht programmiert. Natürlich ist keiner greifbar der auch nur annähernd davon Ahnung hat, wie das mit der Programmierung geht. Normal. Also, selbst ist der Mann. So schnell geben wir nicht auf. Das Telefon klingelt. Auch das noch. Chef hat seinen Apparat wieder auf mich umgeleitet um selbst Ruhe zum Arbeiten zu haben. Ein Kunde (Fahrzeughersteller mit silbernem Stern aus dem Süddeutschen Raum) hat Probleme mit seinem Laser. Ausgerechnet jetzt versuchen mir zwei Mann, ein Halbrusse und ein Eingeborener, beide in gebrochenem Deutsch, schlaue Hinweise zur Programmierung meines Ersatzteils zu geben. Hallo, Entschuldigung: Ich telefoniere. Oder warum halte ich mir den Hörer ans Ohr und spreche unten rein? Wohl kaum um mit der Zeitansage zu flirten! Jetzt sind wahre Qualitäten gefragt: Aufgaben delegieren! Kunden vertrösten: Wir rufen zurück! Peter, dein Kunde, ruf mal da an! So ihr zwei Schlauen: Um vier muss ich weg. Bis dahin ist das Teil programmiert. Punkt.
Zeit für den zweiten Kaffee und Zeit für meinen Zweit-Job. Dokumentationsabteilung. Der andere kleine Automobilhersteller aus dem Süddeutschen wartet auf seine Dokumentation (Bedienungsanleitungen) seiner Laser die vor einem Vierteljahr geliefert wurden. Beim Drucker ist logischer Weise die Kartusche alle. Das Papier auch…
21:00 Uhr. Pork Rice or Chicken Rice fragt mich eine nicht gerade freundlich gestimmte Stewardess. Rindsroulade mit Grünen Klößen, Rotkraut und nen Schoppen Trockenen Roten möchte mein Kleinhirn antworten, mein Großhirn unterdrückt es aber, denn ich kenne die Antwort bzw. Gegenfrage bereits: Pork Rice or Chicken Rice?
Nehmen wir also das kleinere Übel: Pork Rice. Schweinefleisch mit Reis. Wenigstens minimiere ich somit das Risiko schon im Flugzeug die Vogelgrippe zu bekommen. Vorausschauender Weise war ich mittags noch mal klassisch deutsch zum Mittagstisch. Dönerteller mit Pommes.
Ein Sitz am Notausstieg (mehr Platz für lange Beine) war beim Einchecken nicht mehr zu bekommen. Da sitzen die Chinesen, die Einmetersechzigriesen, wie ich beim Einsteigen feststellen muss. Meiner Euphorie für diesen Flug ist dies nicht gerade zuträglich. Ich sitze fast ganz hinten, in der Mittelreihe. Habe einen Platz am Gang, sodass wenigstens ein Bein den Flug relativ unverkrampft überstehen wird, auch wenn die Stewardess öfters mal mit dem Servierwagen drüber fährt. ABER der Vorteil wenn man ganz hinten sitzt? Wenn der Flieger abstürzt, kommt wenigstens noch mal der Getränkewagen vorbei!
Zwei Kleinkinder sitzen auch noch vor mir. Aber schon nach zwei Stunden pausenlosem schreien ist ihnen die Puste ausgegangen. Das hab ich schon besser gesehen!
19:00Uhr Ortszeit. Hotel. Endlich ein Bett. Ich schlafe sofort ein. Hab nicht mal mehr Kraft und Zeit die Augen zu schließen. Ich wache auf. Es ist zwei Uhr nachts. Ich muss pissen. An Schlaf ist danach nicht mehr zu denken. Im TV laufen nur chinesische Opern. Aber ich hab noch einen Film auf dem Laptop: „Brügge sehen…und sterben?“ Sehr zu empfehlen!
Inzwischen ist es sechs Uhr früh. Es wird langsam hell. Um elf Uhr geht der Flieger nach Shenzhen, ca. 2500km südlich, in der Nachbarschaft von Hongkong…[to be continued]